Die Hecke Grenze, Sichtschutz, Lebensraum
Radiowissen
Autorin dieser Folge
Credits
- Regie: Kirsten Böttcher
- Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel
- Redaktion: Bernhard Kastner
Im Interview
- Cornelia Priefert, Leiterin Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide
- Janna Einöder, Biologin beim NABU-Berlin, zuständig für Stadtgrün
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Linktipps
- Göttinger Rebhuhnschutzprojekt
- Steckbriefe der wichtigsten heimischen Gehölze der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Literatur
Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Stuttgart, Ulmer Verlag, 2003: Ein umfassendes, wissenschaftliches Standardwerk zu allen Aspekten der Hecke; Kulturgeschichte, Straucharten, Strauchgesellschaften.
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Raw Description
<p>Hecken sind Grenzen der besonderen Art, sie verbinden Schönheit und Funktion. Die Hecke schirmt unliebsame Blicke ab, hält Feinde fern, schützt Vögel, Kleinsäuger und Feldfrucht. Von Christiane Seiler</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel<br/> Technik: <br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p> <p><strong>Im Interview: <br/></strong>Cornelia Priefert, Leiterin Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide<br/>Janna Einöder, Biologin beim NABU-Berlin, zuständig für Stadtgrün</p> <p></p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong> <br/> <strong>Der Saum der Landschaft - Was existiert zwischen Feld, Bach und Wald?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-saum-der-landschaft-was-existiert-zwischen-feld-bach-und-wald/bayern-2/14154811/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <br/> <strong>Nach der Zerstörung: Biotop - Lebensraum Steinbruch<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/bayern-2/13675797/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <br/> <strong>Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p> <p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a><strong></strong></p> <p><strong>Linktipps:</strong></p> <p><strong>Göttinger Rebhuhnschutzprojekt <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.rebhuhnschutzprojekt.de/index.html">HIER</a> geht es zur Website</strong></p> <p><strong>Steckbriefe der wichtigsten heimischen Gehölze der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/181691/index.php">HIER</a> geht es zur Website</strong></p> <p><strong>Literatur:</strong><br/><strong></strong></p> <p>Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Stuttgart, Ulmer Verlag, 2003: Ein umfassendes, wissenschaftliches Standardwerk zu allen Aspekten der Hecke; Kulturgeschichte, Straucharten, Strauchgesellschaften.</p> <p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p> <p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p> <p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p> <p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p> <p>Sprecher</p> <p></p> <p>Hartriegel, Hagebutte, Haselnuss, …</p> <p>Sprecherin</p> <p>Wer über Hecken spricht, muss sich mit Sträuchern beschäftigen. Wie die Biologin Janna Einöder:</p> <p>02 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Ein Strauch ist ja im Gegensatz zu einem Baum eine Pflanze, die mehrere Stämme hat. Eine Hecke ist meistens eine Begrenzung auch. Man nennt es auch ‚lebender Zaun‘. Ein langgezogener Zusammenschluss aus Sträuchern.</p> <p>Sprecher</p> <p>Brombeere, Himbeere, Hundsrose, …</p> <p>03 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Hundsrosen ist auch eine wichtige Strauchpflanze. Und einfach typisch auch.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Carolin Priefert ist Naturschützerin.</p> <p>04 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Früher hat man ja damit auch noch viel mehr gemacht, man hat natürlich die ganzen Beeren, auch vom Weißdorn, gesammelt, sich Tee, Marmelade und Salben und Kräuter Tinkturen hergestellt. </p> <p>Sprecher</p> <p>Thuja, Buchsbaum, Kirschlorbeer, …</p> <p>05 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Wir haben es‚ Sträucher des Schreckens‘ genannt, weil viele Sträucher nur als Sichtbarriere oder ähnliches gepflanzt werden. Aber auf den ökologischen Wert und wie das ästhetisch aussieht, da wird relativ wenig Acht gegeben. Da geht es darum, dass man die schnell und gut pflegen kann, keine Früchte und sowas, sondern dass das schön pflegeleicht in der Stadt herumsteht. </p> <p>Sprecher</p> <p>Kornelkirsche, Forsythie?</p> <p>06 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Die sieht wahnsinnig interessant erstmal aus. Die blüht ja auch sehr früh. Aber das ist für die Insekten eine totale Falle. Die fliegen dahin, bringen Energie auf, um dann weiß ich wie spät festzustellen, dass sie da gar nicht satt werden. Und es gibt ein paar andere Pflanzen, wie die Kornelkirsche zum Beispiel. Die hat ähnliche gelbe Blüten. So ein bisschen technohaft sieht sie auch aus. Manche nennen sie Technostrauch, weil die so ein bisschen wild auch ist. Und die blüht fast zeitgleich, hat ähnliche Blüten und die bietet dann eben den Insekten tatsächlich Nahrung. </p> <p>Sprecher</p> <p>Faulbaum und Kreuzdorn, …</p> <p>07 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Das sind zwei Sträucher, die ja eher schlicht daherkommen, nicht so dolle blühen. Aber der Zitronenfalter, die Raupen des Zitronenfalters, essen nur an diesen zwei Sträuchern und wenn diese zwei Sträucher fehlen, dann fehlt auch der Zitronenfalter. Das heißt, man kann sagen, wenn man diese zwei Sträucher pflanzt, dann pflanzt man quasi Zitronenfalter.</p> <p>Sprecher</p> <p>Kätzchenweide, Schlehdorn, Weißdorn, …</p> <p>01 AT Hecke Hecke mit summenden Insekten</p> <p>Sprecher</p> <p>„Für mich erhob sich summend darüber der Duft der Weißdornhecken.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Erzähler von Marcel Prousts Roman „In Swanns Welt“ erinnert sich an einen Sonntagsspaziergang mit seinen Eltern, auf einem Weg gesäumt von Weißdornhecken. Duft und Schönheit der Blüten, Summen der Insekten, der Windhauch, der Arme und Gesicht berührt. Eine umfassend sinnliche, sogar spirituelle Erfahrung:</p> <p>Sprecher</p> <p>„Diese Hecken bildeten in meinen Augen eine unaufhörliche Folge von Kapellen, die unter dem Schmuck der wie auf Altären dargebotenen Blüten verschwanden; unter ihnen zeichnete die Sonne auf den Boden ein lichtes Gitterwerk, so als fiele ihr Schein durch ein Kirchenfenster; ihr Duft strömte sich so voll und überquellend aus, wie ich ihn vor dem Altar der Muttergottes stehend verspürt hatte und die ebenso geschmückten Blüten trugen eine jede mit gleicher gedankenloser Miene ihr schimmerndes Strahlenbündel aus Staubgefäßen.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Auch ich erinnere mich an eine Szene aus meiner Kindheit, Anfang der 70er Jahre muss es gewesen sein. Ich fuhr mit meinen Eltern im Auto, saß auf der Rückbank und sah mir die Landschaft an. Wir durchquerten die Ebene zwischen Köln und den ersten Ausläufern des Mittelgebirges. Ich sah Felder, Wiesen, Obstanbau, Industrie, Dörfer. Und schnappte ein Gespräch meiner Eltern auf. Es ging um Flurbereinigung, ein kompliziertes Wort, das mir rätselhaft vorkam. Vor allem mein Vater schimpfte, übrigens auf Bayrisch. Man zerstöre die Schönheit der Landschaft, meinte er. Wo seien die schönen kleinen Felder geblieben, die gewundenen Bächlein, die Gebüsche. Alles abrasiert und begradigt. Und, das fand er besonders schlimm, was war mit den Hecken geschehen?</p> <p>01 AT Hecke und Gesumm</p> <p>Ich verstand, dass man aus mir unverständlichen Gründen ausgerechnet den blühenden, beerenreichen Hecken den Garaus machen wollte. Was ich nicht wusste: es bildete sich bereits Widerstand. Im Jahr 1986 gründete der fränkische Förster und CSU-Politiker Josef Göppel den Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Es ging ihm um die Erhaltung der Kulturlandschaft, dafür brachte er mitunter verfeindete Naturschützer, Landwirte und Kommunalpolitiker an einen Tisch. Seitdem werden in Deutschland sogar wieder neue Hecken angelegt. Etwa von dieser jungen Frau:</p> <p>08 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Carolin Priefert vom Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide.</p> <p>09 AT Hecke in Peetzig</p> <p>Sprecherin</p> <p>Mit ihr stehe ich Ende Februar vor einer Hecke am Rande einer Wiese in der Uckermark. Einen sanften Hang hinauf erstreckt sie sich zwischen Feldweg, Wiese und Acker.</p> <p>10 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Das sind die Hecken, die jetzt schon über 30 Jahre fast alt sind. Also gerade in den 90ern vom Landschaftspflegeverband angelegt wurden. Auch mit den Landwirten zusammen. Also mehrere Kilometer, dann auch teilweise im rechten Winkel. Und man sieht ja die Hänge hier, die Ackerflächen sind ziemlich exponiert auch. Und umso besser ist es natürlich, dass sie dann als Windschutz gleichzeitig dienen, auch für die Landwirte und eben auch vor Wassererosionen schützen. Und natürlich für die Tierarten, die hier alle vorkommen, ist das natürlich einfach das Biotop...</p> <p> Sprecherin</p> <p>Denn eine Hecke ist nicht nur schön, sondern auch nützlich, sogar für die Landwirtschaft. Und ein unverzichtbares Element in der Vernetzung der Biotope. Denn Tiere benutzen diese Strukturen als Orientierungslinien in der Landschaft. Dank der miteinander verbundenen Hecken, Gebüsche und Wiesen können sie sich geschützt in der Landschaft bewegen, auch über längere Strecken. Und finden dort zusätzlich Nahrung.</p> <p>11 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Es kann natürlich aus verschiedenen Strukturen bestehen. Man kann im Garten eine Hecke haben, auch nur aus einer Strauchart oder Baumart. Aber in der freien Landschaft ist es natürlich wichtig, dass wir einerseits auf standortheimische Straucharten achten, was die Tiere dann wirklich auch benutzen können an Beeren und Insekten wirklich an Blühpflanzen, nicht dass es nur so na Pseudo-Blüten sind, die sie gar nicht benutzen können, sie sollte ausreichend breit sein wirklich eine gute Funktion hat sie, wenn sie zehn Meter breit ist, weil man dann große Einzelbäume auch in der Mitte pflanzen kann. Und man hat links und rechts immer noch eine breite Strauchschicht. Dass da die Tierarten wirklich genug Unterschlupf finden können. Und am Rand immer auch immer noch so ein Kraut, Blühpflanzen oder einfach Grassaum auch noch im Stehen bleibt, ne.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Zehn Meter breit? Damit wäre die Hecke schon breiter als mancher Garten.</p> <p>12 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Also wenn man Hecken und Sträucher natürlich wachsen ließe, dann können die natürlich sehr üppig werden. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Janna Einöder ist beim NABU Berlin für das Stadtgrün zuständig. Und macht die Erfahrung, dass zum Beispiel Hecken auch ein Störfaktor sein können. </p> <p>13 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Je nachdem, wo sie stehen, können die eben zur Beeinträchtigung der Sicht führen. Verkehrssicherheit ist ja in der Stadt ein ganz großes Thema. Wir haben auch mit der Kriminalprävention gesprochen. Hecken sind ja auch zum Beispiel werden dafür genutzt, auch Drogen zu verstecken. Da geht es auch um Angsträume und Co. Also auch von den Aspekten können Hecken im Stadtbild zum in Anführungsstrichen Problem werden.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Standort einer Hecke, ob in der Agrarlandschaft, in der Stadt oder im Garten beeinflusst ihre Größe, ihr Erscheinungsbild und auch die Straucharten, die sie bilden. Eins aber haben sie alle gemeinsam: Wie so viele Elemente der Natur, die wir lieben, ist die Hecke menschengemacht, eine linienförmige Struktur der Kulturlandschaft. </p> <p>14 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Also, das muss schon angepflanzt werden. Klar gibt es vegetative Vermehrung, aber dass das in einer akkuraten Heckenstruktur passiert, ist sehr unwahrscheinlich. Die Natur ist eben wild.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Wild entstehen in der Landschaft Strukturen wie Gestrüpp, Gehölz, Gebüsch und Waldsaum, in denen sich ähnliche Sträucher wie in Hecken spontan zusammenfinden. Auch das aber geschieht in größerer Zahl erst, seit Menschen Wälder roden, Siedlungen anlegen und Vieh halten. Im Laufe von mehreren tausend Jahren hatten Menschen durch ihre Wirtschaftsweise in Mitteleuropa eine spezifische kleinteilige, artenreiche Landschaft aus Ackerflächen, Wiesen, Heidelandschaften, Gehölzen, Streuobstwiesen, Moore und eben Hecken geschaffen. Heute sind in Mitteleuropa etwa 550 Bäume und Sträucher an der Bildung von Hecken beteiligt, davon gehören wiederum etwa 475 Arten zu den Rosaceae, also den Rosengewächsen. Sehr viele dieser Sträucher haben Stacheln oder Dornen, zur Abwehr von Herbivoren, also Vieh und wilden Grasfressern. </p> <p>01 AT Hecke Summen in der Hecke</p> <p>Sprecherin</p> <p>Eine Hecke bietet also Schutz, sie hält den Wind ab, hält Tiere von Feldern fern. Sie markiert auch eine Grenze und hindert Feinde am Eindringen. Der Römische Kaiser Julius Cäsar beschreibt in „De bello Gallico“ die kunstvoll angelegten Hecken der belgischen Nervier, die seiner Reiterei im Weg standen, zu einer Zeit, als von Natodraht und Panzersperren noch keine Rede war:</p> <p>Sprecher / Zitator</p> <p>„Sie sägen junge Bäume an, biegen sie herunter und bewirken durch die vielen in die Breite nachwachsenden Aste, auch mit zwischengepflanztem Brombeer- und Dorngesträuch, daß diese Gehege Befestigungen mit der Wirkung von Mauern bilden, die nicht nur ein Durchkommen, sondern selbst einen Durchblick unmöglich machen.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Die Wörter Hecke, englisch „hedge“, französisch „haie“ niederländisch heg, dänisch haek gehen alle auf das althochdeutsche Wort „hag“ zurück. Das bedeutet, so steht es im Grimmschen Wörterbuch, schlagen, einzäunen, einhegen. Noch heute findet sich dieses Wort in zahllosen Ortsnamen wie Den Haag oder Hagen. Neben dem Schutz menschlicher Siedlungen dienten Hecken in früheren Zeiten dazu, das Vieh von den Ackerflächen fernzuhalten. Denn noch bis in’s 18. Jahrhundert wurden Weiden, Ackerflächen und Wälder, die sogenannte Allmende oder Mark, meist gemeinschaftlich genutzt, Vieh wurde nicht eingezäunt, sondern gehütet. Hecken hielten etwa Kühe und Schweine von den Feldern fern. Die dafür nötigen Sträucher entnahm man wilden Gebüschen und Gehölzen in der unmittelbaren Umgebung und bearbeitete sie zum Beispiel in der von Caesar beschriebenen Art, um sie möglichst undurchdringlich zu machen. Die Sträucher lieferten außerdem Beeren und Obst, Hagebutten für Tee oder Marmelade, Schlehen für den Likör, Brombeeren für den Kuchen. Selbst der Heckenschnitt war keine lästige Pflicht. Carolin Priefert:</p> <p>15 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Da haben sie es von sich aus gemacht für Brennholz. Oder man hat es eben benutzt für Korbherstellung, alles Mögliche. Und ja, wer macht das heute schon? Natürlich in bestimmten Bereichen, dass man dann mal Zäune, auch mit den kleinen Zweigen, dann wieder baut…</p> <p>Sprecherin</p> <p>Im 18. und 19. Jahrhundert führte man in vielen Fürstentümern die Markenteilung durch, das bis dahin gemeinschaftlich genutzte Land wurde privatisiert und die Hecken änderten ihre Funktion. Nun dienten sie als sichtbare Markierung und Umfriedung des neuen Privatbesitzes an Acker- und Weideland. Gebüsche auf Weiden und Wiesen wurden gerodet, damit man die Flächen besser bearbeiten konnte. Es entstanden Landschaften, wie sie zum Beispiel in Südengland oder Schleswig-Holstein noch heute bewundert werden können. Bis dann mit der Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg viele dieser Hecken. Sehr zum Nachteil der Tiere, die auf Schutz und Nahrung angewiesen sind. </p> <p>16 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Die Kleintiere haben alle, auch so Igel oder so, haben alle nur ein paar 100 Meter Radius. Also gerade bei uns in Brandenburg haben wir ja, im Vergleich zu Bayern, immer noch wahnsinnig große Schläge, auch wenn wir schon Hecken angelegt haben. Es ist natürlich ein Unterschied, ob jetzt, ja, wir hier nur ein paar kleine Hektar haben oder die Fläche, wo wir drauf gucken, jetzt mehrere 100 Hektar fast sind, wo wir draufgucken können. Und nur am Rand dann eben mal so ein paar Bäume stehen und der Wald doch auch noch zwei Kilometer entfernt. Ist das für die Tiere auch wichtig, dass sie umso mehr Gebüsche oder Hecken wirklich zur Verfügung haben. </p> <p>17 AT Hecke Gesang der Goldammer fehlt</p> <p>Sprecherin</p> <p>Während wir sprechen, lässt sich ein kleiner Schwarm aus Gold- und Grauammern in der Hecke nieder. Erste Frühlingsboten. Andere Gäste bleiben im Dickicht verborgen.</p> <p>18 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Kröten, die auch gerade hier unten Winterschlaf machen können. Also wir sehen ja auch das Laub und schon auch eine Streuschicht, auch vom vertrockneten Gras. Eidechsen, die überwintern können. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Je mehr Hecken nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost- und Westdeutschland durch Zäune ersetzt, Acker und Weideflächen vergrößert und Feldwege asphaltiert wurden, desto mehr Tiere verschwanden aus der Landschaft. Prominentes Beispiel: der Feldhase. Einige Exemplare haben die Landflucht aus Brandenburg nach Berlin angetreten, wo sie mehr Schutz und Nahrung finden als in der Agrarlandschaft. Seit ca. 20 Jahren vermehren sie sich vor allem im Plattenbaubezirk Marzahn-Hellersdorf. Janna Einöder:</p> <p>19 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Die Jungtiere werden oft eben dann von den Eltern unter den Hecken versteckt und dann halt so ungefähr tatsächlich an Ostern liegen dann Feldhasenjungen oft unter Hecken. Das ist ganz wichtig. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Feldhasen werden in Deutschland auf der roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet gelistet. Ein anderes traditionelles Jagdwild gilt inzwischen als stark gefährdet, stellenweise sogar vom Aussterben bedroht: Das Rebhuhn. Sein Bestand in Deutschland ging seit Anfang der 80er Jahre um 85% zurück.</p> <p>20 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>In einem Bereich in der Uckermark, wo wir noch die letzten, ja, Rebhuhn Vorkommen nachweisen konnten in den letzten Jahren haben wir auch Hecken gepflanzt, weil gerade diese Tierart wird auch ganz stark von Füchsen, Waschbären und anderen Feinden werden die Rebhühner eben leider eben gefangen, also getötet und daher gehen die Zahlen zurück, und die Jäger freuen sich auch, wenn wir da Schutzmaßnahmen irgendwie gemeinsam initiieren. Gerade diese Tiere brauchen dann im Winter so ein bisschen Unterschlupf, dass, ja, ihre Spuren sozusagen verwischt werden und auch die Jungtiere eben unterkommen. Auf dem großen Acker oder auf der großen Wiese sind sie natürlich leichtere Beute für den Fuchs. Der findet sie ziemlich schnell …</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Niedergang der Rebhuhnpopulation in Deutschland hat also essenziell mit dem Strukturverlust der Agrarlandschaft zu tun. </p> <p>21 AT Hecke Lockruf des Rebhuhns (mp3)</p> <p>Dabei war das kleine Wildhuhn mit dem charakteristischen Ruf einst ein beliebtes Wildbret. Der etwa taubengroße, maximal ein Pfund schwere Vogel braucht zum Überleben Gebüsche, Blühwiesen und Stoppelfelder. Die Henne legt ihre Gelege von durchschnittlich 15 Eiern bevorzugt in Bodenmulden unter Sträuchern oder in Blumenwiesen. Forschende der Georg-August-Universität Göttingen haben untersucht, in welchen Habitaten Rebhühner am häufigsten Beute der Füchse werden. Ergebnis: Hecken bieten den in ihnen liegenden Gelegen weniger Schutz als erwartet. Weil nämlich Füchse gerne an Feldrändern und entlang der Wege und Hecken auf Beutesuche gehen. Andererseits schützen diese Hecken sehr wohl jene Rebhuhnnester, die sich in Erdmulden auf den von Hecken begrenzten blühenden Wiesen befinden. Und dieser Schutz ist umso wirksamer, je länger und dichter die Hecken sind. Auch hier wirkt die Hecke also als Barriere, die Füchse und andere Raubtiere vom Eindringen auf die Wiese abhält. Eine weitere Bedingung dafür, dass viele Küken überleben ist, dass in der unmittelbaren Umgebung viele Insekten als Futter vorhanden sind. Und auch hier kommen wieder die Hecken in’s Spiel. Solange sie aus heimischen Sträuchern gebildet sind. Carolin Priefert:</p> <p>22 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Man könnte jetzt sagen, naja, warum dann immer nur Standort-heimisch? Hört sich so ein bisschen trocken, altbacken an, aber darum geht es halt, dass die wirklich für die Insekten, die hier bei uns vorkommen, Nahrung bietet.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Denn gerade bei Insekten hat eine Jahrtausende lange Koevolution mit Pflanzen dazu geführt, dass sie oft sehr spezialisiert sind, was Nahrungsquellen und Orte für die Eierablage angeht. So der schon erwähnte Zitronenfalter, der seine Eier ausschließlich in Faulbaum und Kreuzdorn platziert. Weißdorn, Vogelbeere und Kätzchenweide bieten allein hunderten von Insekten Nahrung, vom Laub der Hundsrose ernährt sich der glänzende Rosenkäfer. Und der Schneeballkäfer könnte ohne den Schneeball-Strauch gar nicht existieren. Bei nicht heimischen Sträuchern fehlt diese Koevolution. Das betrifft auch den bei Kindern so beliebten, allerdings giftigen, Knallerbsen-Strauch. Janna Einöder:</p> <p>23 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Das ist die Schneebeere. Die wächst ja auch überall. Es ist ein invasiver Strauch. Tatsächlich. Invasiv heißt ja, dass sie sich relativ explosionsartig ausbreitet und wenig Platz für andere Arten lässt. Also sie ist eben keine gute Raupenfutterpflanze. Mittlerweile sieht man schon auch an den Blüten relativ viele Bienenarten, nicht nur Generalisten wie die Honigbiene oder die Hummel, sondern tatsächlich auch Wildbienenarten und Wespenarten, da hat sich die Fauna schon ein bisschen dran angepasst. Aber an die Blätter, die sind weiterhin noch relativ steril.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Ein ganz anderer Fall ist der gewöhnliche Liguster, auf englisch „Privet“. Bei Harry Potter ist er der Inbegriff von Spießigkeit. Dass der Strauch überhaupt blüht und Beeren trägt, ist vielen nicht bewusst, weil er oft rabiat zurechtgestutzt wird. Manchmal aber gelingt es einem Berliner Liguster, seine Gärtner auszutricksen, sehr zur Freude der Stadtgrün-Spezialistin.</p> <p>24 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Liguster wird hier viel, ist ja auch sehr pflegeleicht, viel geschnitten und im letzten Jahr war es sehr früh sehr warm und da hatte die Blüte dann nach dem Schnitt noch Zeit, nach dem Radikaloschnitt, Zeit sich zu entwickeln. Und dann hatten wir jetzt im Frühling total tolle Ligusterblüte und auch im Herbst jetzt eben die ganzen Beeren. Für Vögel ist es auch wichtig, dass Sträucher dann eben zur Blüte kommen und dann eben die Beeren machen. Man denkt an die Zugvögel, die zurückkommen und dann eben Hunger haben und Nahrung brauchen.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Denn der gewöhnliche Liguster ist eine sehr wertvolle heimische Pflanze, bietet er doch reichlich Nahrung für Insekten und Vögel. Wenn er blühen und Früchte tragen darf. Wie diese vielfältige 30 Jahre alte Hecke, angelegt vom Landschaftspflegeverband. Carolin Priefert:</p> <p>02 AT Hecke</p> <p>25 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Wir haben immer Zweige, die sind mehr rötlich. Auch hier bei den Hundsrosen und dann eben auch mal ein Hellgrün oder ein Braun. Das helle Grün oder Türkisgrün der Flechten. Dann im Frühjahr treiben natürlich die jungen Blätter aus, dann haben wir ein strahlendes Grün und dann bald im März haben wir dann die Blüten, die weißen Blüten der Schlehe, des Weißdorns. Im Sommer ist es dann natürlich wahnsinnig dicht belaubt. Die großen Bäume haben ja auch verschiedene Blattformen. Die kleinen Flatterblättchen der Birken, oder die dicken Blätter der Linden, Wildbirne, Wildapfel haben dann langsam ihre Früchte. Weißdorn auch im Jahresverlauf. Pfaffenhütchen, das hat doch diese ganz pinken, exotisch aussehenden Früchte. Und dann im Herbst natürlich haben wir die verschiedenen Laubverfärbungen. Also gerade auch teilweise dunkelrote Blätter, das ist schon ein richtiges Farbenspiel aus gelb, dunkelrot, was man auch aus dem Wald kennt, aber in der Hecke ist es eher typisch, dass man so viele verschiedene Straucharten, Baumarten nebeneinander hat.</p> <p>Sprecherin</p> <p></p> <p>So bietet die Hecke Nahrung, Deckung und Nistplätze für die Tierwelt, und Windschutz für die Ackerflächen. Und sie erfreut zu jeder Jahreszeit Augen und Ohren der Spaziergänger.</p> <br/>
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<p>Hecken sind Grenzen der besonderen Art, sie verbinden Schönheit und Funktion. Die Hecke schirmt unliebsame Blicke ab, hält Feinde fern, schützt Vögel, Kleinsäuger und Feldfrucht. Von Christiane Seiler</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel<br/> Technik: <br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p> <p><strong>Im Interview: <br/></strong>Cornelia Priefert, Leiterin Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide<br/>Janna Einöder, Biologin beim NABU-Berlin, zuständig für Stadtgrün</p> <p></p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong> <br/> <strong>Der Saum der Landschaft - Was existiert zwischen Feld, Bach und Wald?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-saum-der-landschaft-was-existiert-zwischen-feld-bach-und-wald/bayern-2/14154811/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <br/> <strong>Nach der Zerstörung: Biotop - Lebensraum Steinbruch<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/bayern-2/13675797/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <br/> <strong>Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/">JETZT ENTDECKEN</a></strong> <p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p> <p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a><strong></strong></p> <p><strong>Linktipps:</strong></p> <p><strong>Göttinger Rebhuhnschutzprojekt <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.rebhuhnschutzprojekt.de/index.html">HIER</a> geht es zur Website</strong></p> <p><strong>Steckbriefe der wichtigsten heimischen Gehölze der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/181691/index.php">HIER</a> geht es zur Website</strong></p> <p><strong>Literatur:</strong><br/><strong></strong></p> <p>Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Stuttgart, Ulmer Verlag, 2003: Ein umfassendes, wissenschaftliches Standardwerk zu allen Aspekten der Hecke; Kulturgeschichte, Straucharten, Strauchgesellschaften.</p> <p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p> <p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p> <p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p> <p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p> <p>Sprecher</p> <p></p> <p>Hartriegel, Hagebutte, Haselnuss, …</p> <p>Sprecherin</p> <p>Wer über Hecken spricht, muss sich mit Sträuchern beschäftigen. Wie die Biologin Janna Einöder:</p> <p>02 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Ein Strauch ist ja im Gegensatz zu einem Baum eine Pflanze, die mehrere Stämme hat. Eine Hecke ist meistens eine Begrenzung auch. Man nennt es auch ‚lebender Zaun‘. Ein langgezogener Zusammenschluss aus Sträuchern.</p> <p>Sprecher</p> <p>Brombeere, Himbeere, Hundsrose, …</p> <p>03 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Hundsrosen ist auch eine wichtige Strauchpflanze. Und einfach typisch auch.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Carolin Priefert ist Naturschützerin.</p> <p>04 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Früher hat man ja damit auch noch viel mehr gemacht, man hat natürlich die ganzen Beeren, auch vom Weißdorn, gesammelt, sich Tee, Marmelade und Salben und Kräuter Tinkturen hergestellt. </p> <p>Sprecher</p> <p>Thuja, Buchsbaum, Kirschlorbeer, …</p> <p>05 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Wir haben es‚ Sträucher des Schreckens‘ genannt, weil viele Sträucher nur als Sichtbarriere oder ähnliches gepflanzt werden. Aber auf den ökologischen Wert und wie das ästhetisch aussieht, da wird relativ wenig Acht gegeben. Da geht es darum, dass man die schnell und gut pflegen kann, keine Früchte und sowas, sondern dass das schön pflegeleicht in der Stadt herumsteht. </p> <p>Sprecher</p> <p>Kornelkirsche, Forsythie?</p> <p>06 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Die sieht wahnsinnig interessant erstmal aus. Die blüht ja auch sehr früh. Aber das ist für die Insekten eine totale Falle. Die fliegen dahin, bringen Energie auf, um dann weiß ich wie spät festzustellen, dass sie da gar nicht satt werden. Und es gibt ein paar andere Pflanzen, wie die Kornelkirsche zum Beispiel. Die hat ähnliche gelbe Blüten. So ein bisschen technohaft sieht sie auch aus. Manche nennen sie Technostrauch, weil die so ein bisschen wild auch ist. Und die blüht fast zeitgleich, hat ähnliche Blüten und die bietet dann eben den Insekten tatsächlich Nahrung. </p> <p>Sprecher</p> <p>Faulbaum und Kreuzdorn, …</p> <p>07 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Das sind zwei Sträucher, die ja eher schlicht daherkommen, nicht so dolle blühen. Aber der Zitronenfalter, die Raupen des Zitronenfalters, essen nur an diesen zwei Sträuchern und wenn diese zwei Sträucher fehlen, dann fehlt auch der Zitronenfalter. Das heißt, man kann sagen, wenn man diese zwei Sträucher pflanzt, dann pflanzt man quasi Zitronenfalter.</p> <p>Sprecher</p> <p>Kätzchenweide, Schlehdorn, Weißdorn, …</p> <p>01 AT Hecke Hecke mit summenden Insekten</p> <p>Sprecher</p> <p>„Für mich erhob sich summend darüber der Duft der Weißdornhecken.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Erzähler von Marcel Prousts Roman „In Swanns Welt“ erinnert sich an einen Sonntagsspaziergang mit seinen Eltern, auf einem Weg gesäumt von Weißdornhecken. Duft und Schönheit der Blüten, Summen der Insekten, der Windhauch, der Arme und Gesicht berührt. Eine umfassend sinnliche, sogar spirituelle Erfahrung:</p> <p>Sprecher</p> <p>„Diese Hecken bildeten in meinen Augen eine unaufhörliche Folge von Kapellen, die unter dem Schmuck der wie auf Altären dargebotenen Blüten verschwanden; unter ihnen zeichnete die Sonne auf den Boden ein lichtes Gitterwerk, so als fiele ihr Schein durch ein Kirchenfenster; ihr Duft strömte sich so voll und überquellend aus, wie ich ihn vor dem Altar der Muttergottes stehend verspürt hatte und die ebenso geschmückten Blüten trugen eine jede mit gleicher gedankenloser Miene ihr schimmerndes Strahlenbündel aus Staubgefäßen.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Auch ich erinnere mich an eine Szene aus meiner Kindheit, Anfang der 70er Jahre muss es gewesen sein. Ich fuhr mit meinen Eltern im Auto, saß auf der Rückbank und sah mir die Landschaft an. Wir durchquerten die Ebene zwischen Köln und den ersten Ausläufern des Mittelgebirges. Ich sah Felder, Wiesen, Obstanbau, Industrie, Dörfer. Und schnappte ein Gespräch meiner Eltern auf. Es ging um Flurbereinigung, ein kompliziertes Wort, das mir rätselhaft vorkam. Vor allem mein Vater schimpfte, übrigens auf Bayrisch. Man zerstöre die Schönheit der Landschaft, meinte er. Wo seien die schönen kleinen Felder geblieben, die gewundenen Bächlein, die Gebüsche. Alles abrasiert und begradigt. Und, das fand er besonders schlimm, was war mit den Hecken geschehen?</p> <p>01 AT Hecke und Gesumm</p> <p>Ich verstand, dass man aus mir unverständlichen Gründen ausgerechnet den blühenden, beerenreichen Hecken den Garaus machen wollte. Was ich nicht wusste: es bildete sich bereits Widerstand. Im Jahr 1986 gründete der fränkische Förster und CSU-Politiker Josef Göppel den Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Es ging ihm um die Erhaltung der Kulturlandschaft, dafür brachte er mitunter verfeindete Naturschützer, Landwirte und Kommunalpolitiker an einen Tisch. Seitdem werden in Deutschland sogar wieder neue Hecken angelegt. Etwa von dieser jungen Frau:</p> <p>08 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Carolin Priefert vom Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide.</p> <p>09 AT Hecke in Peetzig</p> <p>Sprecherin</p> <p>Mit ihr stehe ich Ende Februar vor einer Hecke am Rande einer Wiese in der Uckermark. Einen sanften Hang hinauf erstreckt sie sich zwischen Feldweg, Wiese und Acker.</p> <p>10 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Das sind die Hecken, die jetzt schon über 30 Jahre fast alt sind. Also gerade in den 90ern vom Landschaftspflegeverband angelegt wurden. Auch mit den Landwirten zusammen. Also mehrere Kilometer, dann auch teilweise im rechten Winkel. Und man sieht ja die Hänge hier, die Ackerflächen sind ziemlich exponiert auch. Und umso besser ist es natürlich, dass sie dann als Windschutz gleichzeitig dienen, auch für die Landwirte und eben auch vor Wassererosionen schützen. Und natürlich für die Tierarten, die hier alle vorkommen, ist das natürlich einfach das Biotop...</p> <p> Sprecherin</p> <p>Denn eine Hecke ist nicht nur schön, sondern auch nützlich, sogar für die Landwirtschaft. Und ein unverzichtbares Element in der Vernetzung der Biotope. Denn Tiere benutzen diese Strukturen als Orientierungslinien in der Landschaft. Dank der miteinander verbundenen Hecken, Gebüsche und Wiesen können sie sich geschützt in der Landschaft bewegen, auch über längere Strecken. Und finden dort zusätzlich Nahrung.</p> <p>11 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Es kann natürlich aus verschiedenen Strukturen bestehen. Man kann im Garten eine Hecke haben, auch nur aus einer Strauchart oder Baumart. Aber in der freien Landschaft ist es natürlich wichtig, dass wir einerseits auf standortheimische Straucharten achten, was die Tiere dann wirklich auch benutzen können an Beeren und Insekten wirklich an Blühpflanzen, nicht dass es nur so na Pseudo-Blüten sind, die sie gar nicht benutzen können, sie sollte ausreichend breit sein wirklich eine gute Funktion hat sie, wenn sie zehn Meter breit ist, weil man dann große Einzelbäume auch in der Mitte pflanzen kann. Und man hat links und rechts immer noch eine breite Strauchschicht. Dass da die Tierarten wirklich genug Unterschlupf finden können. Und am Rand immer auch immer noch so ein Kraut, Blühpflanzen oder einfach Grassaum auch noch im Stehen bleibt, ne.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Zehn Meter breit? Damit wäre die Hecke schon breiter als mancher Garten.</p> <p>12 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Also wenn man Hecken und Sträucher natürlich wachsen ließe, dann können die natürlich sehr üppig werden. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Janna Einöder ist beim NABU Berlin für das Stadtgrün zuständig. Und macht die Erfahrung, dass zum Beispiel Hecken auch ein Störfaktor sein können. </p> <p>13 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Je nachdem, wo sie stehen, können die eben zur Beeinträchtigung der Sicht führen. Verkehrssicherheit ist ja in der Stadt ein ganz großes Thema. Wir haben auch mit der Kriminalprävention gesprochen. Hecken sind ja auch zum Beispiel werden dafür genutzt, auch Drogen zu verstecken. Da geht es auch um Angsträume und Co. Also auch von den Aspekten können Hecken im Stadtbild zum in Anführungsstrichen Problem werden.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Standort einer Hecke, ob in der Agrarlandschaft, in der Stadt oder im Garten beeinflusst ihre Größe, ihr Erscheinungsbild und auch die Straucharten, die sie bilden. Eins aber haben sie alle gemeinsam: Wie so viele Elemente der Natur, die wir lieben, ist die Hecke menschengemacht, eine linienförmige Struktur der Kulturlandschaft. </p> <p>14 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Also, das muss schon angepflanzt werden. Klar gibt es vegetative Vermehrung, aber dass das in einer akkuraten Heckenstruktur passiert, ist sehr unwahrscheinlich. Die Natur ist eben wild.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Wild entstehen in der Landschaft Strukturen wie Gestrüpp, Gehölz, Gebüsch und Waldsaum, in denen sich ähnliche Sträucher wie in Hecken spontan zusammenfinden. Auch das aber geschieht in größerer Zahl erst, seit Menschen Wälder roden, Siedlungen anlegen und Vieh halten. Im Laufe von mehreren tausend Jahren hatten Menschen durch ihre Wirtschaftsweise in Mitteleuropa eine spezifische kleinteilige, artenreiche Landschaft aus Ackerflächen, Wiesen, Heidelandschaften, Gehölzen, Streuobstwiesen, Moore und eben Hecken geschaffen. Heute sind in Mitteleuropa etwa 550 Bäume und Sträucher an der Bildung von Hecken beteiligt, davon gehören wiederum etwa 475 Arten zu den Rosaceae, also den Rosengewächsen. Sehr viele dieser Sträucher haben Stacheln oder Dornen, zur Abwehr von Herbivoren, also Vieh und wilden Grasfressern. </p> <p>01 AT Hecke Summen in der Hecke</p> <p>Sprecherin</p> <p>Eine Hecke bietet also Schutz, sie hält den Wind ab, hält Tiere von Feldern fern. Sie markiert auch eine Grenze und hindert Feinde am Eindringen. Der Römische Kaiser Julius Cäsar beschreibt in „De bello Gallico“ die kunstvoll angelegten Hecken der belgischen Nervier, die seiner Reiterei im Weg standen, zu einer Zeit, als von Natodraht und Panzersperren noch keine Rede war:</p> <p>Sprecher / Zitator</p> <p>„Sie sägen junge Bäume an, biegen sie herunter und bewirken durch die vielen in die Breite nachwachsenden Aste, auch mit zwischengepflanztem Brombeer- und Dorngesträuch, daß diese Gehege Befestigungen mit der Wirkung von Mauern bilden, die nicht nur ein Durchkommen, sondern selbst einen Durchblick unmöglich machen.“</p> <p>Sprecherin</p> <p>Die Wörter Hecke, englisch „hedge“, französisch „haie“ niederländisch heg, dänisch haek gehen alle auf das althochdeutsche Wort „hag“ zurück. Das bedeutet, so steht es im Grimmschen Wörterbuch, schlagen, einzäunen, einhegen. Noch heute findet sich dieses Wort in zahllosen Ortsnamen wie Den Haag oder Hagen. Neben dem Schutz menschlicher Siedlungen dienten Hecken in früheren Zeiten dazu, das Vieh von den Ackerflächen fernzuhalten. Denn noch bis in’s 18. Jahrhundert wurden Weiden, Ackerflächen und Wälder, die sogenannte Allmende oder Mark, meist gemeinschaftlich genutzt, Vieh wurde nicht eingezäunt, sondern gehütet. Hecken hielten etwa Kühe und Schweine von den Feldern fern. Die dafür nötigen Sträucher entnahm man wilden Gebüschen und Gehölzen in der unmittelbaren Umgebung und bearbeitete sie zum Beispiel in der von Caesar beschriebenen Art, um sie möglichst undurchdringlich zu machen. Die Sträucher lieferten außerdem Beeren und Obst, Hagebutten für Tee oder Marmelade, Schlehen für den Likör, Brombeeren für den Kuchen. Selbst der Heckenschnitt war keine lästige Pflicht. Carolin Priefert:</p> <p>15 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Da haben sie es von sich aus gemacht für Brennholz. Oder man hat es eben benutzt für Korbherstellung, alles Mögliche. Und ja, wer macht das heute schon? Natürlich in bestimmten Bereichen, dass man dann mal Zäune, auch mit den kleinen Zweigen, dann wieder baut…</p> <p>Sprecherin</p> <p>Im 18. und 19. Jahrhundert führte man in vielen Fürstentümern die Markenteilung durch, das bis dahin gemeinschaftlich genutzte Land wurde privatisiert und die Hecken änderten ihre Funktion. Nun dienten sie als sichtbare Markierung und Umfriedung des neuen Privatbesitzes an Acker- und Weideland. Gebüsche auf Weiden und Wiesen wurden gerodet, damit man die Flächen besser bearbeiten konnte. Es entstanden Landschaften, wie sie zum Beispiel in Südengland oder Schleswig-Holstein noch heute bewundert werden können. Bis dann mit der Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg viele dieser Hecken. Sehr zum Nachteil der Tiere, die auf Schutz und Nahrung angewiesen sind. </p> <p>16 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Die Kleintiere haben alle, auch so Igel oder so, haben alle nur ein paar 100 Meter Radius. Also gerade bei uns in Brandenburg haben wir ja, im Vergleich zu Bayern, immer noch wahnsinnig große Schläge, auch wenn wir schon Hecken angelegt haben. Es ist natürlich ein Unterschied, ob jetzt, ja, wir hier nur ein paar kleine Hektar haben oder die Fläche, wo wir drauf gucken, jetzt mehrere 100 Hektar fast sind, wo wir draufgucken können. Und nur am Rand dann eben mal so ein paar Bäume stehen und der Wald doch auch noch zwei Kilometer entfernt. Ist das für die Tiere auch wichtig, dass sie umso mehr Gebüsche oder Hecken wirklich zur Verfügung haben. </p> <p>17 AT Hecke Gesang der Goldammer fehlt</p> <p>Sprecherin</p> <p>Während wir sprechen, lässt sich ein kleiner Schwarm aus Gold- und Grauammern in der Hecke nieder. Erste Frühlingsboten. Andere Gäste bleiben im Dickicht verborgen.</p> <p>18 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Kröten, die auch gerade hier unten Winterschlaf machen können. Also wir sehen ja auch das Laub und schon auch eine Streuschicht, auch vom vertrockneten Gras. Eidechsen, die überwintern können. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Je mehr Hecken nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost- und Westdeutschland durch Zäune ersetzt, Acker und Weideflächen vergrößert und Feldwege asphaltiert wurden, desto mehr Tiere verschwanden aus der Landschaft. Prominentes Beispiel: der Feldhase. Einige Exemplare haben die Landflucht aus Brandenburg nach Berlin angetreten, wo sie mehr Schutz und Nahrung finden als in der Agrarlandschaft. Seit ca. 20 Jahren vermehren sie sich vor allem im Plattenbaubezirk Marzahn-Hellersdorf. Janna Einöder:</p> <p>19 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Die Jungtiere werden oft eben dann von den Eltern unter den Hecken versteckt und dann halt so ungefähr tatsächlich an Ostern liegen dann Feldhasenjungen oft unter Hecken. Das ist ganz wichtig. </p> <p>Sprecherin</p> <p>Feldhasen werden in Deutschland auf der roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet gelistet. Ein anderes traditionelles Jagdwild gilt inzwischen als stark gefährdet, stellenweise sogar vom Aussterben bedroht: Das Rebhuhn. Sein Bestand in Deutschland ging seit Anfang der 80er Jahre um 85% zurück.</p> <p>20 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>In einem Bereich in der Uckermark, wo wir noch die letzten, ja, Rebhuhn Vorkommen nachweisen konnten in den letzten Jahren haben wir auch Hecken gepflanzt, weil gerade diese Tierart wird auch ganz stark von Füchsen, Waschbären und anderen Feinden werden die Rebhühner eben leider eben gefangen, also getötet und daher gehen die Zahlen zurück, und die Jäger freuen sich auch, wenn wir da Schutzmaßnahmen irgendwie gemeinsam initiieren. Gerade diese Tiere brauchen dann im Winter so ein bisschen Unterschlupf, dass, ja, ihre Spuren sozusagen verwischt werden und auch die Jungtiere eben unterkommen. Auf dem großen Acker oder auf der großen Wiese sind sie natürlich leichtere Beute für den Fuchs. Der findet sie ziemlich schnell …</p> <p>Sprecherin</p> <p>Der Niedergang der Rebhuhnpopulation in Deutschland hat also essenziell mit dem Strukturverlust der Agrarlandschaft zu tun. </p> <p>21 AT Hecke Lockruf des Rebhuhns (mp3)</p> <p>Dabei war das kleine Wildhuhn mit dem charakteristischen Ruf einst ein beliebtes Wildbret. Der etwa taubengroße, maximal ein Pfund schwere Vogel braucht zum Überleben Gebüsche, Blühwiesen und Stoppelfelder. Die Henne legt ihre Gelege von durchschnittlich 15 Eiern bevorzugt in Bodenmulden unter Sträuchern oder in Blumenwiesen. Forschende der Georg-August-Universität Göttingen haben untersucht, in welchen Habitaten Rebhühner am häufigsten Beute der Füchse werden. Ergebnis: Hecken bieten den in ihnen liegenden Gelegen weniger Schutz als erwartet. Weil nämlich Füchse gerne an Feldrändern und entlang der Wege und Hecken auf Beutesuche gehen. Andererseits schützen diese Hecken sehr wohl jene Rebhuhnnester, die sich in Erdmulden auf den von Hecken begrenzten blühenden Wiesen befinden. Und dieser Schutz ist umso wirksamer, je länger und dichter die Hecken sind. Auch hier wirkt die Hecke also als Barriere, die Füchse und andere Raubtiere vom Eindringen auf die Wiese abhält. Eine weitere Bedingung dafür, dass viele Küken überleben ist, dass in der unmittelbaren Umgebung viele Insekten als Futter vorhanden sind. Und auch hier kommen wieder die Hecken in’s Spiel. Solange sie aus heimischen Sträuchern gebildet sind. Carolin Priefert:</p> <p>22 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Man könnte jetzt sagen, naja, warum dann immer nur Standort-heimisch? Hört sich so ein bisschen trocken, altbacken an, aber darum geht es halt, dass die wirklich für die Insekten, die hier bei uns vorkommen, Nahrung bietet.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Denn gerade bei Insekten hat eine Jahrtausende lange Koevolution mit Pflanzen dazu geführt, dass sie oft sehr spezialisiert sind, was Nahrungsquellen und Orte für die Eierablage angeht. So der schon erwähnte Zitronenfalter, der seine Eier ausschließlich in Faulbaum und Kreuzdorn platziert. Weißdorn, Vogelbeere und Kätzchenweide bieten allein hunderten von Insekten Nahrung, vom Laub der Hundsrose ernährt sich der glänzende Rosenkäfer. Und der Schneeballkäfer könnte ohne den Schneeball-Strauch gar nicht existieren. Bei nicht heimischen Sträuchern fehlt diese Koevolution. Das betrifft auch den bei Kindern so beliebten, allerdings giftigen, Knallerbsen-Strauch. Janna Einöder:</p> <p>23 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Das ist die Schneebeere. Die wächst ja auch überall. Es ist ein invasiver Strauch. Tatsächlich. Invasiv heißt ja, dass sie sich relativ explosionsartig ausbreitet und wenig Platz für andere Arten lässt. Also sie ist eben keine gute Raupenfutterpflanze. Mittlerweile sieht man schon auch an den Blüten relativ viele Bienenarten, nicht nur Generalisten wie die Honigbiene oder die Hummel, sondern tatsächlich auch Wildbienenarten und Wespenarten, da hat sich die Fauna schon ein bisschen dran angepasst. Aber an die Blätter, die sind weiterhin noch relativ steril.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Ein ganz anderer Fall ist der gewöhnliche Liguster, auf englisch „Privet“. Bei Harry Potter ist er der Inbegriff von Spießigkeit. Dass der Strauch überhaupt blüht und Beeren trägt, ist vielen nicht bewusst, weil er oft rabiat zurechtgestutzt wird. Manchmal aber gelingt es einem Berliner Liguster, seine Gärtner auszutricksen, sehr zur Freude der Stadtgrün-Spezialistin.</p> <p>24 O-Ton Hecke Einöder</p> <p>Liguster wird hier viel, ist ja auch sehr pflegeleicht, viel geschnitten und im letzten Jahr war es sehr früh sehr warm und da hatte die Blüte dann nach dem Schnitt noch Zeit, nach dem Radikaloschnitt, Zeit sich zu entwickeln. Und dann hatten wir jetzt im Frühling total tolle Ligusterblüte und auch im Herbst jetzt eben die ganzen Beeren. Für Vögel ist es auch wichtig, dass Sträucher dann eben zur Blüte kommen und dann eben die Beeren machen. Man denkt an die Zugvögel, die zurückkommen und dann eben Hunger haben und Nahrung brauchen.</p> <p>Sprecherin</p> <p>Denn der gewöhnliche Liguster ist eine sehr wertvolle heimische Pflanze, bietet er doch reichlich Nahrung für Insekten und Vögel. Wenn er blühen und Früchte tragen darf. Wie diese vielfältige 30 Jahre alte Hecke, angelegt vom Landschaftspflegeverband. Carolin Priefert:</p> <p>02 AT Hecke</p> <p>25 O-Ton Hecke Priefert</p> <p>Wir haben immer Zweige, die sind mehr rötlich. Auch hier bei den Hundsrosen und dann eben auch mal ein Hellgrün oder ein Braun. Das helle Grün oder Türkisgrün der Flechten. Dann im Frühjahr treiben natürlich die jungen Blätter aus, dann haben wir ein strahlendes Grün und dann bald im März haben wir dann die Blüten, die weißen Blüten der Schlehe, des Weißdorns. Im Sommer ist es dann natürlich wahnsinnig dicht belaubt. Die großen Bäume haben ja auch verschiedene Blattformen. Die kleinen Flatterblättchen der Birken, oder die dicken Blätter der Linden, Wildbirne, Wildapfel haben dann langsam ihre Früchte. Weißdorn auch im Jahresverlauf. Pfaffenhütchen, das hat doch diese ganz pinken, exotisch aussehenden Früchte. Und dann im Herbst natürlich haben wir die verschiedenen Laubverfärbungen. Also gerade auch teilweise dunkelrote Blätter, das ist schon ein richtiges Farbenspiel aus gelb, dunkelrot, was man auch aus dem Wald kennt, aber in der Hecke ist es eher typisch, dass man so viele verschiedene Straucharten, Baumarten nebeneinander hat.</p> <p>Sprecherin</p> <p></p> <p>So bietet die Hecke Nahrung, Deckung und Nistplätze für die Tierwelt, und Windschutz für die Ackerflächen. Und sie erfreut zu jeder Jahreszeit Augen und Ohren der Spaziergänger.</p> <br/>